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Die meisten Studenten, die ein Auslandssemester in Australien planen, haben das Ziel, dieses in den Weltmetropolen Sydney oder Melbourne zu absolvieren. Zu Recht, denn die beiden Städte sind hochinteressant, multikulturell und wirklich sehens- und lebenswert. Dennoch hat Australien auch andere tolle Städte. Meine erste Wahl bei meiner Bewerbung im letzten Jahr war Brisbane. Für alle, die freiwillig nach Brisbane gehen oder nach Brisbane gehen müssen, weil sie woanders keinen Studienplatz bekommen, möchte ich hier fünf Gründe aufführen, warum sie sich freuen können:

Warum Brisbane und nicht Sydney oder Melbourne?

1. Das Wetter:
Das Wetter in Brisbane ist unschlagbar! Es ist zwar im Sommer sehr heiß und teils auch recht schwül, aber das lässt sich auch in den anderen Städten nicht verhindern. Die sommerliche Wärme hält auch nachts an, so dass man nicht - wie in Deutschland selbst im Hochsommer - auf Jacken oder Pullover angewiesen ist. Im Winter ist es nachts kalt (im Juni/Juli teils unter 10 Grad), aber tagsüber bleibt es so warm, dass man ohne Probleme kurze Hosen und T-Shirts tragen kann. Als ich im Herbst 2004 (April) nach Sydney flog, brauchte ich eine Jacke und in Melbourne bei Regen gar Pullover und dicke Jacke. Zurück in Brisbane konnten die Shorts bei strahlendem Sonnenschein wieder herausgeholt werden!

2. Die Kosten:
Brisbane ist günstiger als Sydney und Melbourne! Die University of Queensland (UQ) wirbt auch genau damit: Die ohnehin sehr hohen Studiengebühren sind in Brisbane ca. 1000 A$ niedriger als in Sydney oder Melbourne. Auch ist das Preisniveau in der täglichen Lebenshaltung geringer. Brisbanes Preisniveau für Wohnungen und Lebensmittel entspricht m. E. in etwa dem in Deutschland (Vergleichsstadt: Münster).

3. Der Campus:
Der Campus der UQ wurde hat Züge von dem, was wir unter einem idyllischen kleinen Urlaubsort an der Küste verstehen würden. Bereits zum schönsten Campus Australiens gewählt, ist er nicht nur für ortsansässige Studenten, sondern auch für auswärtige Besucher und für Hochzeitsfotos ein beliebtes Ziel. Man kann dort den ganzen Tag verbringen: Cafés, Bibliotheken mit Internet, Sportgelegenheiten, Wiesen und Seen, Kino, exzellente Fähr- und Busanbindungen zur Innenstadt, Rundweg um den Campus zum Joggen am Brisbane River und und und...

4. Die Umgebung:
Die Gold Coast - das Miami der südlichen Hemisphäre - ist nur etwas mehr als eine Stunde mit dem Zug von Brisbane entfernt. Für Studenten gibt es Sonderkonditionen, so dass sich bei Preisen von 6 Dollar für die Hin- und Rückfahrt die Gold Coast für zahlreiche Tagesausflüge lohnt! Fraser Island - die größte Sandinsel der Welt und ein "Must-see" ist nur 4 Stunden Autofahrt (zzgl. Überfahrtszeit) entfernt. Von Sydney sind es knapp 1.400km, von Melbourne noch einmal ca. 1.000km mehr. Auch liegt Brisbane näher am Great Barrier Reef, an Cairns , an Byron Bay, an den malerischen Whitsunday Islands und an zahlreichen Nationalparks im südlichen Queensland.

5. Mal etwas anderes:
Nach Sydney oder Melbourne geht jeder! Für mich war es ein Hauptanliegen nach Brisbane zu gehen, weil viele Freunde von mir in Sydney studiert hatten. Ich wollte gerne etwas anderes machen und mal etwas "Neues" erzählen. Obwohl ich vorher nie in Sydney gewesen war, hatte ich das Gefühl, alles durch Erzählungen bereits zu kennen! Trotzdem sind Sydney und Melbourne tolle Städte und man sollte sie auf jeden Fall gesehen haben! Und dafür kann man ja die zahlreichen Freunde und Bekannte besuchen, die dort studieren:-) Es gibt täglich nahezu 15-20 Flüge in beide Städte, die bei rechtzeitiger Buchung preislich absolut erschwinglich sind. Schließlich ist Brisbane mit internationalen Airlines aus Deutschland genau so gut und häufig erreichbar wie Sydney und Melbourne. Auch Brisbane ist eine multikulturelle und spannende Millionenstadt!

Aber nun zum eigentlichen Erfahrungsbericht. Vieles davon kommt bereits in anderen Erfahrungsberichten vor. Ich versuche, hier die Dinge aufzuschreiben, die mir wichtig erscheinen und deren Kenntnis mir für eine Planung des Aufenthalts geholfen haben oder hätten. Dabei gehe ich nach folgender Gliederung vor:

1. Bewerbung
2. Vorbereitung
3. Brisbane vor Ort und Wohnen
4. UQ
5. Reisen innerhalb Australiens
6. Einige Events und "MUST-DOs"
7. Einige Tipps zum Schluss


1. Bewerbung:

Die Damen des Instituts Ranke-Heinemann sind sehr hilfsbereit und beantworten auch vermeintlich "blöde" Fragen sehr geduldig und kompetent. Da meine Bewerbung zeitlich sehr knapp war, habe ich des Öfteren dort angerufen und nachgehakt. Dabei wurde mir immer geholfen. Die Damen dort bearbeiten täglich viele, für sie anonyme Bewerbungen und bewahren dennoch das Bewusstsein, dass es sich für den einzelnen Studenten um ein Großereignis handelt! Einzig eine Sache lief anders als geplant: Ich hatte mich für drei Unis gleichzeitig beworben. In meinem ersten Brief habe ich nur zwei "Bewerbungsmappen" vollständig eingereicht und schriftlich angemerkt, dass ich die fehlenden Unterlagen für die dritte Bewerbung noch nachreichen würde. Daraufhin wurden alle drei Bewerbungen zunächst nicht weiter bearbeitet. Dies war ein Missverständnis, aber in einem solchen Falle sollte man sich ggf. rechtzeitig vergewissern, dass die ersten Bewerbungen bereits an die Unis weitergereicht wurden.

Die Chancen für ein Study Abroad-Studium stehen für Undergraduate-Kurse an der UQ meines Wissens auch bei nicht so berauschenden Noten ganz gut. Für Postgraduate-Kurse sind die Annahmevoraussetzungen schon erheblich höher. Eine entscheidene Rolle spielt stets das Ergebnis des TOEFL-Tests. Es ist ratsam, den TOEFL-Test rechtzeitig vor der IRH-Bewerbung zu absolvieren. Denn man kann ihn bei einem schlechten bzw. unzureichenden Ergebnis jeden Monat wiederholen (was natürlich auch jedes Mal wieder die Gebühren kostet). Für Undergraduate-Semester gibt es teilweise auch Ersatzleistungen. Darüber sollte man sich im Einzelfall informieren. Übrigens muss der TOEFL-Test nicht in Deutschland absolviert werden. Für Westdeutsche kann z. B. Arnheim in den Niederlanden u. U. näher sein als Frankfurt.


2. Vorbereitung:

Die Vorbereitung ist umfangreich, allerdings im Gegensatz zu Praktika oder Studium in den USA als harmlos zu bezeichnen. Das Visum erhält man nach dem Antrag innerhalb von meist 24 Stunden per Email zugeschickt. Man muss nicht in der australischen Botschaft vorsprechen.

Beim Buchen des Fluges sollte man nicht nur auf den Preis achten. Bei den meisten Airlines kosten die Flüge von Deutschland nach Australien und vv. inkl. aller Steuern und Gebühren ca. 1.000 Euro. Allerdings sind dies häufig Studententarife, deren Meilen auf den Meilenkonten der Airlines nicht gut geschrieben werden! Viele Airlines bieten Stopover-Möglichkeiten. So bietet Singapore Airlines Stopovers in Singapur, wo man zu sehr günstigen Konditionen einige Tage Pause machen kann (auf der Hin- oder Rückreise). Emirates bietet gleiches in Dubai. Meist sind Stadtrundfahrten und Flughafenzubringer kostenlos und es gibt Vergünstigungen für viele Attraktionen. Bei Flügen mit Star-Alliance-Airlines (inkl. Lufthansa) sind innerdeutsche Zubringerflüge nach Frankfurt (in meinem Falle von Münster/Osnabrück) im Flugpreis enthalten. Häufig sind im Reisebüro gebuchte Flüge günstiger als Internetangebote!

Singapore Airlines bietet an, den genauen Rückflugtag noch offen zu lassen (Open Return Ticket). Dies ist eine gute Gelegenheit, wenn man u. U. warten möchte, ob sich vor Ort noch Reisen nach Semesterende ergeben. Allerdings sollte man sich dennoch möglichst 2-3 Monate vor dem Rückflug für einen Termin entscheiden, da die Rückflüge sehr früh ausgebucht sind (alle Gaststudenten wollen ja ungefähr zur gleichen Zeit aus Australien wieder nach Europa zurück).


3. Brisbane vor Ort und WOhnen

Brisbane ist eine 1,5-Millionen-Einwohner-Stadt an der Ostküste Australiens mit subtropischem Klima. Sie liegt ca. 1.000km von Sydney und 2.000km von Melbourne entfernt. Die Stadt ist - wie alle Down Under-Metropolen - sehr multikulturell. Insbesondere die Asiaten sind sehr stark vertreten, aber auch viele Amerikaner, Deutsche, und Skandinavier trifft man dort. Studenten wohnen häufig in der Nähe der Uni in den Stadtteilen St. Lucia (wo sich auch der Campus befindet), Toowong oder Indooroopilly. Sehr empfehlenswert sind die UQ Accommodation Services (www.accommodation.uq.edu.au), wo man auch bereits lange vor seiner Zeit in Brisbane mal nach freien Zimmern Ausschau halten kann. Fast alle Studenten finden darüber ihre Zimmer. Allerdings sind die Qualitätsunterschiede drastisch, so dass eine Vorausbuchung von Deutschland aus nur bedingt zu empfehlen ist. So nervig und schweißtreibend die Wohnungssuche gerade im Hochscommer (Februar) ist, so lohnt es sich doch, die Zimmer einmal gesehen zu haben, bevor man dort einzieht. Übrigens wohnt man in Brisbane meistens in Häusern und nur selten in Wohnungen oder Apartments. Das Land ist so riesig, dass man es nicht nötig hat, an Fläche zu sparen und in die Höhe zu bauen.

Attraktionen: Zu empfehlen ist der Blick vom Mount Coot-tha auf die Stadt (insbesondere bei Nacht), der Lone Pine Koala Sanctuary mit allen möglichen australischen Tierarten, das Casino, die Southbank Parklands mit den künstlichen Stränden (wochentags hingehen, da am Wochenende von Familien übervölkert), der UQ-Campus, das "Valley", wo sich die Discos befinden sowie eine Brauereibesichtigung der XXXX Brewery im Stadtteil Milton. Sehr interessant ist auch eine CityCat-Fahrt. CityCats sind Schnellboote auf dem Brisbane River, die für viele ein völlig gewöhnliches Verkehrsmittel darstellen neben Autos, Bussen und Zügen.


4. UQ

Die UQ ist mit über 35.000 Studenten größer als die meisten deutschen Unis. Der Ausländeranteil der Studierenden ist sehr hoch. Auch hier sind insbesondere die Asiaten und Amerikaner stark vertreten. Der Campus ist groß, wunderschön (s.o.) und bietet vieles. Es bieten sich zahlreiche Sportarten an (inkl. australischer Sportarten), bei denen man auch leicht viele Einheimische kennen lernen kann. Wer gerne joggt, wird in der Zeit zwischen 18h und 20h auf dem Rundweg am River zahlreiche Mitstreiter finden!

Undergraduate-Studenten, die im Rahmen eines gewöhnlichen Auslandssemesters (Study Abroad) an der UQ studieren, sind nicht für ein bestimmtes Fach eingeschrieben. Sie können sich daher für Kurse aller Fachrichtungen anmelden, was ich nur empfehlen kann. An der Uni wird alles von Sprachen (warum nicht auf Englisch Spanisch lernen?), Geschichte, Naturwissenschaften, Business, Informatik bis Kunst angeboten. Am beliebtesten sind meist die Kurse "Australian History" und "Australian Biology", wo live lebende Tiere im Hörsaal beobachtet werden.

Zu beachten ist, dass die UQ nicht nur einen Campus besitzt, sondern drei (mit der Klinik für Mediziner sogar vier). Die meisten Studenten sind in St Lucia in Brisbane. Dies ist der größte Campus und der, von dem ich oben und unten stets spreche. Im Internet stehen gute Infos, welche Kurse wo stattfinden. Fast alle Fächer sind in St Lucia angesiedelt (Business, Economics, Law, Psychology, Biology, Sciences, Sports, Arts, Languages).


5. Reisen innerhalb Australiens

Wenn man schon einmal die Reise nach Down Under auf sich nimmt, dann sollte man auch versuchen, etwas mehr als die Uni-Stadt zu sehen. Das Land ist riesig und bietet alles, was das Herz begehrt. Reisen ist recht günstig (Greyhound-Busse, Inlands-Low-Cost-Carrier, s.u.). Viele "Backpacker" reisen ein ganzes Jahr nach dem Abi oder nach dem Studium durchs Land und können trotzdem nicht alles sehen. Es kann daher auch keine Empfehlungen geben, welche Ecken man sehen sollte. Empfehlenswert ist aber der Kontrast einer Millionenmetropole wie Sydney zum völlig menschenleeren Outback, in dem man über hunderte von Kilometern kein Haus sieht und kaum einem Auto begegnet. Generell ist die Ostküste eher touristisch und die West- und Nordwestküste nahezu menschenleer (abgesehen von Perth). An der Ostküste sind Cairns und Umgebung, das Great Barrier Reef, die Whitsunday Islands und Byron Bay zu empfehlen. Ein Trip nach Fraser Island ist fast ein Muss - am Besten privat organisiert, da man dann mehr Freiheiten auf der Insel hat!


6. Einige Events und "MUST DOs":

- Der Australia Day (26. Januar) und der ANZAC-Day (26. April) sind echte Events und es ist ein Highlight, die Paraden und Feiern anzuschauen
- Da Australien ja ein sehr multikulturelles Land ist, werden auch die Nationalfeiertage anderer Länder dort gefeiert. Sehenswert sind z. B. der irische St. Patrick's Day (17. März), den man möglichst ab dem frühen Abend in einem Irish Pub begießen sollte und der norwegische Nationalfeiertag mit einer Norweger-Parade, die morgens vom QUT-Campus durch die Innenstadt zieht.
- Der/Das "State of the Art" (Australian Football) findet halbjährlich als Wettkampf zwischen den Staaten New South Wales und Queensland statt und das ganze Land schaut zu. Also: eine Kneipe mit Live-Übertragung finden und mitgucken! Generell sind aber auch alle AFL (Australian Football League)-Spiele live im Stadion sehenswert. Die Brisbane Lions sind häufig Meister geworden. Allerdings wird ein Nicht-Ozzie die Regeln wohl nie wirklich verstehen...
- Buddha's Birthday entspricht in etwa dem "Weihnachten der Buddhisten". Es wird sehr groß ein ganzes Wochenende in den Southbank Parklands gefeiert. Ein Spazieren über die Märkte sowie das große Feuerwerk sind beeindruckend. In 2004 fand das Fest am 25. April statt, aber der genaue Tag ändert sich in jedem Jahr.


7. Einige Tipps zum Schluss:

- Man sollte eine Kreditkarte besitzen. Viele Events, Flüge und Trips sind nur über das Internet und dort nur mit Hilfe einer Kreditkarte buchbar!!!
- Wer Flüge innerhalb Australiens bucht, sollte nicht nur bei VirginBlue und JetStar, sondern ruhig auch mal Qantas die Preise vergleichen. Mein Flug von Cairns nach Brisbane war dort um 50% günstiger als bei VirginBlue.
- Wer im "Qantas Frequent Traveller Program" (entspricht Lufthansas "Miles & More") Mitglied ist, bekommt bei AVIS Autovermietungen günstigere Konditionen (zumindest war es in 2004 so).
- Autofahren außerhalb der großen Städte auf Landstraßen (Highways) kann bei Dunkelheit gefährlich sein, da Millionen Kängurus durchs Land hüpfen und keine Rücksicht auf Straßen nehmen. Generell ist ein internationaler Führerschein zwar nicht immer nötig, aber hilfreich.
- In Australien braucht man abends für den Eintritt in Kneipen und Discos einen Reisepass! Es reicht kein Personalausweis! Alternativ kann man sich auch für ca. 15 A$ eine "Over-18"-Card kaufen, die als Beweis für das Erreichen der Altersgrenze dient. Selbst 35-jährige werden dort noch nach ihrem Ausweis gefragt!
- Wer ein Konto bei der Deutschen Bank hat, kann kostenlos bei der australischen Kooperationsbank "Westpac" mit der normalen EC-Karte Geld abheben. Es fallen keine Gebühren an. Westpac-Geldautomaten gibt es in der Stadt, in jeder Mall und auf dem Campus.
- Für Nichtraucher ist Australien ein tolles Land, für Raucher hingegen gar nicht. Rauchen ist in Kneipen, Cafés und auch Discos nicht erlaubt!

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