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Vor dem Abflug

Generell empfiehlt es sich so früh wie möglich mit den Vorbereitungen zu beginnen. Die Zeit zwischen dem Beginn der Vorbereitungen und dem Abflug sollte man mit mindestens einem Jahr berechnen.

Dazu kommt, dass die Zeit direkt vor dem Abflug wahrscheinlich ziemlich stressig wird. Man wartet immer gleichzeitig auf mehrere Dokumente wie Visum oder Studienplatzbestätigung der Gastuniversität, die zudem noch voneinander abhängen. Allerdings braucht man sich deswegen nicht allzu viele Sorgen machen. Schließlich und endlich klappt es normalerweise. Man kann sich allerdings einige Nerven ersparen, wenn man möglichst viele Vorbereitungen so früh wie möglich trifft.

Die Beschaffung des Visums: Hierzu sei zunächst gesagt, dass die australische Botschaft extrem schlecht telefonisch zu erreichen ist. Viele Informationen findet man aber auf ihrer Webseite im Internet (www.australian-embassy.de). Unter anderem kann man hier auch das Formular für den Visumsantrag herunterladen (Formular 157y, student temporary visa).

Für ein „Jahresvisum für Studenten“ muss man zunächst eine vertragsärztliche Untersuchung über sich ergehen lassen, über deren Sinn man sich besser nicht den Kopf zerbricht. Die Adressen der Vertragsärzte befinden sich auf der Webseite der Botschaft.

Wesentlich komplizierter wird unter Umständen der Erhalt der Einschreibebestätigung (Confirmation of Enrolement, CoE), die zur Bewerbung um ein Visum erforderlich ist. Man erhält sie nämlich erst, wenn man das Studienplatzangebot der University of Melbourne angenommen hat. Dafür muss man das angenommene Angebot zusammen mit einen Cheque über AU$ 274,- für die australische Krankenversicherung nach Melbourne schicken. Alternativ kann man auch eine Einzugsermächtigung über Kreditkarte schicken. Die AU$ 274,- werden vom DAAD erstattet. Eine wesentliche Erleichterung bringt es mit sich, wenn man die Dokumente im Zusammenhang mit der Studienannahme per Fax austauscht und das Original nachschickt. Man kann nämlich auch die CoE zugefaxt bekommen und spart sich damit einige Zeit des Wartens. So war es mir möglich, das Studienplatzangebot am 1.12. und die CoE am 21.12.2000 zu erhalten. Damit hatte ich genügend Zeit für die Bewerbung um das Visum, das dann auch relativ bald eintraf. 2-3 Wochen Bearbeitungszeit muss man aber schon einberechnen.

Generell ist bei der ganzen Sache E-Mail Kontakt mit dem International Office der University of Melbourne anzuraten. Die Mitarbeiter dort sind sehr hilfsbereit, und viele Probleme lassen sich auf diese Weise zeitsparend und einfach lösen.

Ankunft in Melbourne

Nach Verabschiedungsstress von Freunden und Familie, über 20stündigem Flug, Zeitverschiebung und Klimawechsel kam ich schließlich relativ erschlagen aber sehr zuversichtlich im Sonnenuntergang in Melbourne an. Das Gefühl, keinen Menschen auf dem ganzen Kontinent zu kennen und quasi ein neues Leben anzufangen, ist ziemlich aufregend und hat mich den Vorbereitungsstress schnell vergessen lassen.

Da Februar in Australien Hochsommer und damit auch Reisezeit ist, empfiehlt es sich schon vor dem Abflug ein Bett in einem Hostel oder Backpacker’s zu reservieren. Außerdem weiß man dann schon mal, wohin man gehen muss, wenn man wie ich abends ankommt. Es gibt ziemlich viele Hostels in Melbourne, die man in jedem Reiseführer findet. Ich kam zunächst im Hotel Bakpak unter, was sich in der Franklin Street nahe Melbournes bekanntem Victoria Market befindet. Alternativ kann man auch eine vorübergehende Unterkunft in einem der zahlreichen University Colleges bekommen, was allerdings ziemlich teuer ist, und relativ früh abgeklärt werden muss. Die Unterlagen dazu werden einem mit dem Studienplatzangebot zugesandt.

Melbourne Welcome

Nach zwei Tagen zog ich dann vorübergehend für die Willkommenswoche in Newman College auf dem Campus ein. Während dieser Woche lernt man schnell einen Haufen „Internationalos“ kennen und unternimmt schon mal die wichtigsten australischen Basics, wie Wellenreiten, Football Aussi rules und Kängurus und Koalabären fotografieren. Außerdem lernt man Melbourne kennen. Auch hierfür muss man sich natürlich vorher anmelden und bekommt die Unterlagen mit dem Studienplatzangebot zugeschickt.

Zimmersuche

Hierzu kann ich nur sagen, es empfiehlt sich so früh wie möglich anzukommen und sich um ein Zimmer zu kümmern. Studentenwohnheime wie in Deutschland gibt es hier nicht. Man kann zwar in einem der University Colleges wohnen, die sehr schön auf dem Campus gelegen sind. Dafür zahlt man aber 200,- bis 250,- AU$ die Woche und wohnt außerdem mit australischen Erstsemestern zusammen, die generell wesentlich jünger sind und das erste mal von daheim ausgezogen sind. Außerdem verleiten die Colleges meiner Meinung nach dazu, den Campus kaum mehr zu verlassen.

Da es keine großen Wohnheime gibt, waren viel zu viele Studenten gleichzeitig auf Zimmersuche, was die ganze Sache ziemlich anstrengend machte. Man läuft recht viel durch die Stadt und vor allem läuft man recht viel umsonst. Sehr wichtig ist, dass man eine Telefonverbindung (am besten Handy) hat, damit man auch angerufen werden kann, falls man ein Zimmer kriegen sollte. Die gute Seite an der Zimmersuche ist, dass sich der Bekanntenkreis enorm erweitert, weil man immer wieder die selben Leute trifft, die mit einem „in Konkurrenz“ sind. Es hat 3 Wochen gedauert, bis ich endlich ein Zimmer gefunden hatte, was dann allerdings auch sehr schön ist. Generell empfiehlt es sich natürlich, so nahe wie möglich bei der Uni zu wohnen. Dafür bieten sich die Stadtteile Carlton, North Carlton, Fitzroy, Parkville und North Melbourne an. Wenn man gerne am Strand wohnen möchte kann man auch nach St. Kilda ziehen, muss dann aber den relativ langen Anfahrtsweg von ca. 35 Minuten mit der Tram in Kauf nehmen. Melbourne ist sehr weitläufig, was die Gefahr langer Anfahrtswege mit sich bringt.

Die Zimmerangebote findet man im Baldwin Spencer Building auf dem Uni-Campus, in der Tageszeitung „The Age“ (Mittwochs und Samstags) und in einem Buchladen an der Lygon Street. Außerdem kann man auch die Mitarbeiter des International Office fragen.

Das Preisniveau bewegt sich zwischen AU$ 75 pro Woche und AU$ 150, wobei letzteres eigentlich wesentlich zu hoch ist. Für 100 – 120 $ kann man ein sehr schönes Zimmer nahe der Universität finden. Generell gilt, je weiter man weg wohnt, desto billiger kann man wohnen.

Für die Zimmersuche ist ein Stadtplan natürlich unverzichtbar und man kann einen solchen im Baldwin Spencer Building erhalten. Sehr verwirrend ist, dass viele Strassen in verschiedenen Stadtteilen den gleichen Namen haben. Daher ist es wichtig, sich immer den Stadtteil zu merken, in dem das Zimmer liegt, das man sich angucken will.

Wenn man schließlich ein Zimmer gefunden hat, braucht man meistens noch ein paar Möbel dafür. Sehr geeignet für die Möbelsuche ist Smith Street in North Fitzroy. Hier befinden sich einige Second Hand Läden, in denen man billige Möbel findet. Die meisten Läden liefern die Möbel auch nach Hause.

Orientation week

Zwei Wochen vor Semesterbeginn findet die Orientation week statt. Hier präsentieren sich die Uni-Clubs von Sportsclubs über politische Clubs bis zum Club der Schokoladenliebhaber. Generell ist die Orientation week eine gute Möglichkeit, Leute kennen zu lernen und die zahlreichen Clubs auszukundschaften, die alle mindestens einen „free barbecue“ anbieten.

Außerdem wird man während der Orientation week über den Campus geführt. Am Ende verfügt man über Berge von Informationsmaterial, das sich vielfach wiederholt. Trotzdem empfiehlt es sich sehr, an der Orientierungswoche teilzunehmen.

Kurswahl

In der Woche vor Semesterbeginn schließlich schreibt man sich zusammen mit den anderen internationalen Studenten für die Kurse ein, die man besuchen möchte. Im Verlauf der Einschreibung erhält man auch seinen Studentenausweis, der gleichzeitig der Bibliotheksausweis ist. Er gilt allerdings nicht als concession card im Öffentlichen Verkehr. Das Einschreibungsverfahren mag am Anfang kompliziert aussehen, erklärt sich aber relativ schnell von selbst. Außerdem kann man immer jemanden im faculty office fragen. Wichtig ist, dass man seinen Reisepass mit dem Visum dabeihat.

Das Kursangebot ist immens. Daher ist es sehr angenehm, dass man seine Kurse während der ersten zwei Wochen des Semesters beliebig wechseln kann. Man kann also erst einmal alle Vorlesungen anschauen und sich dann entscheiden, welche man besuchen will.

Man muss jedes Semester mindestens 38.5 und höchstens 50 „credit points“ sammeln. Dabei haben im Jurastudium alle undergraduate Kurse 12.5 points pro Semester. Wenn man für 2 Semester da ist, kann man auch an Kursen teilnehmen, die das ganze Jahr dauern, wie z.B. „contracts“ oder „constitutional and administrative law“. Kursinformationen findet man vorab auf der Webseite der Uni (www.unimelb.edu.au). Ich habe im ersten Semester International Law, Contracts und comparative constitutional law belegt, die alle sehr zu empfehlen sind. Vorlesungen sind hier wesentlich mehr durch Diskussionen aufgelockert, was durch die Kursgröße von maximal 50 – 60 Studenten erleichtert wird. Es wird von den Studenten erwartet, dass sie mitarbeiten und ihre Meinung äußern. Zur Vorbereitung sind relativ umfangreiche course materials zu lesen, die den an sich angenehmen 10 Wochenstunden doch so einige Zeit hinzufügen, besonders am Anfang, wenn man noch viele Rechtswörter nachschlagen muss. Dafür empfiehlt sich ein Rechtswörterbuch, das auch von australischen Studenten gern benutzt wird.

Prüfungen bestehen entweder aus essays, die ca. 5000 Wörter lang sind, oder 2-3 stündigen Klausuren oder auch einem kürzeren essay und einer kürzeren Klausur.

Außerdem kann man an einem Kurs über Australien für internationale Studenten teilnehmen, genannt „experiencing the Australian landscape“. Dieser Kurs dient weniger der akademischen Bildung als vielmehr der Möglichkeit, die Umgebung Melbournes bzw. den Staat Victoria kennen zu lernen. Hier werden Wochenendtrips in Nationalparks und ähnliches unternommen, die nicht viel kosten. Wiederum eine sehr gute Möglichkeit Bekanntschaften zu machen und herum zu kommen.

Generell ist zu sagen, dass sich die Professoren viel mehr um die Belange ihrer Studenten kümmern, als man das in Deutschland gewohnt ist.

Krankenversicherung und Arbeiten

Da eine Krankenversicherung Voraussetzung für das Visum ist und man schon die AU$ 274 bezahlt hat, ist man mit Ankunft bei Medibank versichert. Man muss die Versicherung jedoch noch aktivieren. Dazu geht man ins International Office und holt sich seine Versicherungskarte ab. Allerdings kann es durchaus sein, dass es eine Weile dauert, bis diese eintrifft. Man ist in der Zeit natürlich trotzdem versichert, muss aber bestimmte Dinge beachten, wenn man ärztliche Hilfe braucht. Fragen dazu werden im International Office beantwortet.

Um in Australien zu arbeiten braucht man zusätzlich zum Visum noch eine Arbeitserlaubnis für 20 Stunden die Woche. Die Erlaubnis kann man gegen eine extra Gebühr im International Office beantragen. Außerdem sollte man eine tax file number beantragen um Steuern zu sparen. Genauere Informationen und Unterlagen bietet wiederum das International Office.

Geld

Es bietet sich sehr an, eine gewisse Menge Geld mit nach Australien zu nehmen und hier ein Konto zu eröffnen, was kein Problem ist. Man kann dann zum einen sehr flexibel auf den Dollarkurs reagieren, zum anderen hat man eine sichere Geldquelle. Es ist zwar generell kein Problem mit EC-Karte Geld am Automaten zu bekommen, aus irgendwelchen Gründen funktioniert es aber so ungefähr zwischen 10.00 Uhr und 16.00 tagsüber nicht. Daher kann eine australische Bankkarte im Notfall sehr von Nutzen sein.

Man sollte sich bei der Eröffnung eines Kontos vergewissern, dass man bei einer Bank ist, die ein gutes Netz in ganz Australien hat. Einige Banken, wie die National Australia Bank oder die Bank of Melbourne, befinden sich auf dem Uni-Campus. Es empfiehlt sich, das Konto in einer der Uni-Filialen zu eröffnen, weil sich die Mitarbeiter dort über kostenlose Studentenkonten auskennen, was woanders anscheinend nicht unbedingt der Fall ist. Überweisungen aus Deutschland sind mit ca. 30 Mark für 3000 – 5000 Mark ziemlich teuer.

Wie gesagt kann man auch mit EC-Karte Bargeld am Automaten bekommen, was zwischen 2 und 4 Mark Gebühren kostet. Außerdem sind Kreditkarten hier weit verbreitet und mit Mastercard oder Visa kann man eigentlich überall bezahlen. Wer Traveller Cheques mitnimmt, sollte sie sich in australischen Dollars ausstellen lassen.

Meiner Ansicht nach empfiehlt es sich, möglichst viele verschiedenen Möglichkeiten zu haben an Geld heranzukommen. Zum einen kann man auf Kursschwankungen reagieren, zum anderen kann es ja durchaus mal sein, dass EC- oder Kreditkarte ihren Dienst versagen. Dann wird es unter Umständen schwierig Geld zu bekommen.

Computer und Internet

Die Unversity of Melbourne ist ziemlich gut mit Computern ausgestattet. In der Bailieu Library befindet sich im ersten Stock ein großer Computerraum mit Internetzugang und relativ neuen Computern. Außerdem haben die meisten Fakultäten noch eigene Computerlabs. Die Computer der juristischen Fakultät befinden sich im Baldwin Spencer Building und haben ebenfalls allesamt Internetzugang.

Zudem gibt es für Nachtarbeiter einen 24 Stunden Computerraum an der Monash Road auf dem Campus. Dafür braucht man allerdings eine Zugangskarte, die man aber leicht an der Rezeption bekommen kann.

Man sollte gleich am Anfang seinen E-Mail-Account auf der Uni-homepage einrichten, da die Uni hauptsächlich per E-Mail mit ihren Studenten kommuniziert. Daher ist es auch ratsam den Account regelmäßig zu checken. Zwar kriegt man einen Haufen uninteressanter Mails, erfährt aber auch so manches über internationale Treffen, seine Kurse und ähnliches.

Leben in Melbourne

Melbourne ist flächenmäßig riesig. Das eigentliche Zentrum ist aber angenehm kompakt und nahe der Uni. Zudem verfügt die Stadt mit Trams, Bussen und Nahverkehrszügen über ein sehr gutes öffentliches Verkehrssystem, das außerdem nicht teuer ist. Sehr schön sind das Yarra Ufer und die botanical gardens. Außerdem sollte man sich natürlich nicht das Beachleben in St. Kilda entgehen lassen. Auch kulturell hat Melbourne einiges zu bieten, wenn man es auch nicht unbedingt mit Europa vergleichen kann. Aber es gibt hier ein gutes Symphonieorchester, das auch mit vielen internationalen Berühmtheiten auftritt, viele Theater, eine Oper, einige Kunstmuseen und nicht zu vergessen die abendliche Pubkultur. An letzterer gefällt mir besonders, dass es erstens Unmengen von Pubs gibt, und zweitens, dass in vielen Live-Bands spielen. Das Nachtleben spielt sich angesichts der Größe Melbournes natürlich in vielen verschiedenen Gegenden ab. Ein Zentrum ist sicherlich die Brunswick Street in Fitzroy, ein anderes Flinderslane in der Stadtmitte.

Außerdem kann man natürlich in der Umgebung Melbournes einiges erkunden, wie die Great Ocean Road, Phillip Island, Mornington Peninsula und vieles mehr.

Ein absolutes Muss für jeden Wahl-Melbourner ist zudem der Besuch eines Football Aussie Rules Spieles. Dieser Sport ist der ganze Stolz Melbournes, und so hat denn auch jeder Stadtteil sein eigenes Team.

Sehr angenehm ist außerdem, dass man mit Australiern viel leichter ins Gespräch kommt, als man das von daheim gewohnt ist. Vielfach hat man kurze Unterhaltungen in Läden oder in der Tram, die einem schnell ein Gefühl von Zugehörigkeit geben.



Schlusswort

Zusammenfassend möchte ich neben der rechtzeitigen Vorbereitung in Deutschland auch eine möglichst frühe Anreise empfehlen. Das erleichtert die Zimmersuche enorm und bietet außerdem die Möglichkeit, vor Unibeginn Melbourne auszukundschaften. Wenn man erst einmal englische essays schreiben muss oder für Klausuren lernt, hat man oft nicht mehr die Zeit oder die Energie dazu.

Außerdem ist es natürlich sehr wichtig, dass man daheim alle erforderlichen Vorkehrungen für eine Abwesenheit von einem Jahr trifft. Von hier aus ist es meistens viel schwieriger unklare Verhältnisse wie Miete oder Bankkonto oder ähnliches zu regeln.

Egal wie viel Mühe Stipendienbeschaffung, Visum und sonstige Vorbereitungen kosten, die Ankunft im australischen Sommer ist es auf jeden Fall wert und ich kann ein Auslandsstudium in Australien nur empfehlen.

Vielen Dank noch mal an alle Mitarbeiter des DAAD und des Akademischen Auslandsamtes der Uni Freiburg, die mir bei meinen Vorbereitungen geholfen haben.

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