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Auslandssemester an der Bond University, Australien
Vor der Abreise Nachdem ich die Entscheidung getroffen hatte, dass ich ein Auslandssemester absolvieren wollte, habe ich mich aus verschiedenen Gründen für Australien entschieden. Über das Internet bin ich auf das Ranke-Heinemann-Institut aufmerksam geworden, das sich auf die Unterstützung von Studenten vor und während ihres Studienaufenthaltes in Australien oder Neuseeland spezialisiert hat. Auf einer von diesem Institut veranstalteten Messe an der Universität Köln konnte ich mit fast jeder Universität Neuseelands und Australiens – repräsentiert durch Mitarbeiter der jeweiligen Internationalen Büros – persönlich in Kontakt treten. So habe ich mich für die Bond University und den Studiengang International Relations entschieden. Zum einen kann ich mir einige Leistungen an meiner Heimatuniversität anrechnen lassen und zum anderen ist die Bond University im Bereich der internationalen Beziehungen high-ranked. Außerdem ist die Bond University die erste private Hochschule Australiens. Das Betreuungsverhältnis beträgt 1:11. Ausschlaggebend für mich war auch, dass die Universität mit weniger als 5000 Studenten relativ klein ist, wobei der Anteil ausländischer Studierender etwa 50 % ausmacht. Die Probleme in Bezug auf Sprache, Fächerwahl etc. sollten daher bekannt sein und wurden auch stets zügig und freundlich behandelt. Nachdem ich die Finanzierung abgeklärt habe, konnte ich mich über das Ranke-Heinemann-Institut bewerben. Diese hat meine Unterlagen jeweils übersetzt und weitergeleitet, sodass ich schon zwei Wochen später die Zusage der Bond University im Postkasten liegen hatte. Für die Bewerbung an der Bond University waren neben Noten, Zeugnissen, Bewerbungsformularen, Gutachten von Dozenten und einem Englischtest auch ein Motivationsschreiben in Form von vorgegebenen Fragen einzureichen. Diese Fragen zielten auf die Tatsache, dass man sich mit seiner Universität, seinem Fach und auch dem Land auseinandergesetzt haben sollte. Der Stress begann erst danach: Wohnung suchen, Flüge buchen, Reisepass neu beantragen, Visum beantragen, Kreditkarte erlangen, eine deutsche Bank finden, mit deren EC-Karte auch in Australien kostenfrei Geld abgehoben werden kann, die Reise planen, Fächer wählen, die Anrechnung an der Heimatuniversität klären, Korrespondenzen – und immer wieder damit rechnen, dass irgendjemand mir einen Strich durch die Rechnung macht. Immerhin gibt es ein Land, das bürokratischer ist als Deutschland: Australien! Für mein Wohnheim außerhalb des Campus war eine Fülle an Unterlagen einzureichen, die von Formularen über Handyrechnungen bis hin zu Angaben über Vermieter in meiner Kindheit reichten. Das Visum konnte ich online beantragen und es wurde binnen 24 Stunden genehmigt. Da so viele ausländische Studenten in Australien studieren wollen, kann das Visum so unkompliziert wie möglich – via Internet – beantragt werden. Es kostet zwar umgerechnet 483 €, dafür darf man bis zu 20 Stunden in der Woche arbeiten gehen und kann während des Aufenthaltes unbegrenzt ein- und ausreisen. Das Preisniveau in Australien ist höher als das deutsche. Mieten werden außerdem pro Woche berechnet. Doch mit meinem Wohnheim hatte ich Glück: Ich habe in Varsity Lakes gewohnt, genauer gesagt im Wohnkomlex „The Cape“. Dieser liegt in Sichtweite zur Uni, etwa fünf Minuten zu Fuß entfernt. Gemeinsam mit einer Brasilianerin und einer Kanadierin teilte ich mir eine große Wohnung. Jeder von uns hatte sein eigenes, spartanisch mit einem Bett, einem Nachttisch und einem Schrank ausgestattetes Zimmer. Darüber hinaus hatten wir zwei Badezimmer, ein Gäste-WC, eine große Küche, die direkt in einen sehr großen Wohn- und Essbereich mit Stereoanlage, TV, Couches und Esstisch übergeht. Zudem hatten wir einen schönen Balkon, der direkt auf einen der zahlreichen Seen gerichtet ist. The Cape verfügt zudem über einen Fitnessraum und einen Pool. Pro Woche kostete dieser Luxus 220 AUD – ohne Internet und Strom. Das sind übliche Preise. Sodann also alle Formalitäten erledigt und das letzte Semester in Deutschland beendet waren, konnte es los gehen: Begleitet durch meine Mutter und meine Patentante, die mein Auslandssemester als Anlass nahmen, Australien zu bereisen, flog ich nach Sydney. Dort blieben wir für fünf ereignisreiche Tage, bevor es in Richtung Gold Coast ging. Um mich vor dem Semesterstart schon mit Leuten austauschen zu können, die vielleicht ähnliche Probleme haben wie ich oder mir gegebenenfalls auch helfen können, habe ich im Voraus einige Erfahrungsberichte gelesen. Außerdem habe ich im Mitgliederbereich des Ranke-Heinemann-Instituts ein Mädel aus Deutschland gefunden, die zeitgleich mit mir an der Bond University beginnen sollte. Per E-Mail haben wir uns vor der Abreise immer wieder ausgetauscht und in Sydney auch schon mal getroffen. Außerdem gab es die Möglichkeit, sich direkt bei der Universität für das sogenannte „Bondmate“-Programm zu bewerben und eine Art Tutor an die Hand zu bekommen. Mein Tutor studiert im Postgraduate-Programm der Universität, war zuvor auch schon study-abroad-Student und konnte mir noch einige nützliche Tipps geben und auch bei Problemen helfen, nachdem ich z.B. zunächst nicht in meine Wohnung konnte. Das Studium Die Vorlesungen begannen am 12. September. Diesen vorgeschoben war noch die Orientierungswoche mit allerlei Barbeques, Brunch, Campus-Tour, Bibliotheksführung, Partys, Kultur, Strand und Möglichkeiten zum Kennenlernen der Mitstudenten. Schon am ersten Abend habe ich viele neue Leute kennengelernt. Insbesondere deutsche study-abroad-Studenten habe ich getroffen. Da wir jedoch alle auch wegen der englischen Sprache das Auslandssemester absolvieren, habe ich mich vor allem mit anderen internationalen Studenten getroffen, um möglichst wenig Deutsch zu sprechen. Schon nach der Orientierungswoche kannte ich so viele Studenten, dass ich nie alleine war! Für meinen Auslandsaufenthalt habe ich die Fächer „Introduction to International Relations“, „Terrorism“, „Strategic India“ und „The United Nations“ ausgewählt. Nach deutschem Standard machen diese vier Fächer zusammen 24-30 Creditpoints (LP) aus. Jede Vorlesung wird hier von einem Tutorium begleitet. Eine Veranstaltung umfasst 3 Wochenstunden, wobei ein Eigenstudium ergänzend mithilfe der Materialien, die auf der e-learning-Plattform zur Verfügung gestellt werden, vorausgesetzt wird. Ein Tutorium umfasste wöchtenlich 50 Minuten, eine Vorlesung 110 Minuten. Die Belegung der Tutorien erfolgte online. Im Unterschied zu Deutschland gibt es für jedes Fach eine Vielzahl an Prüfungsleistungen – etwa Präsentation, Hausarbeit, Diskussionsrunde, Klausur o.Ä. – die unterschiedlich gewichtet in die Abschlussnote eingehen. So werden u.a. auch Mitarbeit und Teilnahme an den Veranstaltungen bewertet. Um die Möglichkeit zu haben, am Wochenende Land und Leute kennen lernen zu können, habe ich freitags frei. An australischen Universitäten wird von den Studenten ein hohes Maß an Eigeninitiative vorausgesetzt. Die Vorlesungen und Tutorien dienen zwar der Vermittlung des grundlegenden Vorlesungsstoffes, mithilfe von Büchern und zusätzlichen Materialien hat sich jeder Student jedoch unaufgefordert auseinanderzusetzen, um sich entsprechend auf die Vorlesungen vorzubereiten. Durch die Vielzahl der Prüfungsleistungen, die schon während des Semesters zu erbringen sind, bleibt der Workload immer auf einem sehr hohen Level. Dafür ist jedoch die Abschlussklausur gleichbedeutend mit dem Semesterende, Seminararbeiten während der Semesterferien gibt es nicht. Die Veranstaltungen meiner Fakultät waren durch einen besonders hohen Workload geprägt, der mich weitestgehend überfordert hat. Dies ist jedoch scheinbar ein Markenzeichen der Fakultät wie mir im Laufe des Semesters versichert wurde. Trotz alledem bereue ich meine Fächerwahl nicht, da ich wesentlich mehr in diesem einen Semester gelernt habe als im vergleichbaren Zeitraum an einer deutschen Universität. Auch abseits der Vorlesungsveranstaltungen hatte die Uni viel zu bieten: Jeden Mittwoch gab es mittags ein großes Barbecue, außerdem ein reichhaltiges Sportprogramm, viele Interessenclubs und donnerstags abends wurde in einem kleinen Club auf dem Unigelände gefeiert. Darüber hinaus wurde jeden Monat ein Kultur-Programm angeboten. Außerdem wurden Studentenreisen und besondere Unterstützungen für internationale Studenten angeboten. Dazu gehörte bspw. ein Office, in dem Seminararbeiten auf Grammatik, Form und Zeichensetzung überprüft werden konnten. Die Preise Australien ist teuer – sehr teuer! Wenn man sich jedoch vorher mit einem Auslandssemester und dem jeweiligen Land auseinandersetzt, weiß man dies und kann sich entsprechend darauf vorbereiten. Außerdem gibt es immer Möglichkeiten, die Kosten ein wenig geringer zu gestalten. Ich bin größtenteils bei Aldi einkaufen gegangen, da die Preise wie in Deutschland zumeist geringer und die Qualität sehr gut war. Einen Teil meiner Unibücher habe ich mir auf einem von der Student Association veranstalteten Second Hand Booksale gekauft. So konnte ich nahezu 50 % sparen. Außerdem habe ich Bücher über das britische Amazon gekauft, was immernoch deutlich preiswerter war als die Bücher im universitären Buchladen zu kaufen. An der Gold Coast gibt es die Möglichkeit, sich mithilfe des Studentenausweises eine sogenannte Concession Card zu kaufen. Mit dieser kann man sowohl den Studentenrabatt als auch den Card-Rabatt für Bus-, Bahn- und Zugfahrten erhalten. Außerdem habe ich schon in Deutschland einen Internationalen Studentenausweis beantragt, mit dem ich teilweise auch Reisen und Flüge billiger buchen konnte. Auch für Reisen haben wir Angebote von der Uni, aus dem Internet und aus verschiedenen Reisebüros eingeholt. So konnten wir die besten Angebote vergleichen und teilweise auch kombinieren. Internet und Handy habe ich über Vodafone als PrePaid-Tarif bezogen. So konnte ich Tarife miteinander verbinden und habe wirklich nur bezahlt, was ich auch verbraucht habe. Im Gegensatz zu Deutschland wird das Internet nach verbrauchten Bits berechnet. Dies ist noch einmal eine Umstellung. Downloads und Ähnliches sollte man daher in der Uni machen, da das universitätsinterne Netzwerk auch via W-Lan für die Studenten zugänglich ist. Bei sportlichen Aktivitäten habe ich Glück gehabt: Meine Uni berechnet schon mit den Studiengebühren eine Gebühr für die Nutzung aller Sporteinrichtungen an der Uni. Darin enthalten sind sowohl die Nutzung der Geräte, des Pool, des Gyms usw. als auch die Teilnahme an Sportkursen. Ansonsten gilt: Die Möglichkeit, für eine längere Zeit am anderen Ende der Welt zu verbringen, kommt so schnell nicht wieder. Daher mitnehmen, was man mitnehmen kann, Spaß haben und zur Not auch an die Ersparnisse gehen! Das Land – auf Reise Australien ist ein wunderschönes Land! Wenn man einmal dort ist, muss man auf alle Fälle so viel wie möglich sehen. Gemeinsam mit neuen Freunden habe ich unter anderem Sydney, Byron Bay, Brisbane, die Whitsundays und das Great Barrier Reef, Fraser Island und Melbourne besucht. Dabei habe ich sowohl einen Skydive, mehrere Tauchgänge am Great Barrier Reef und auch ein Surfwochenende mitgenommen und einige der vielen schönen Nationalparks besucht und an einer Whale Watching Tour teilgenommen. Atemberaubend war auch der Blick vom Q1-Tower, dem höchsten Gebäude der südlichen Hemisphäre, von dessen 360°-Deck man die gesamte Gold Coast überblicken konnte. Weitergehende Reiseberichten würden an dieser Stelle jedoch den Rahmen sprengen. Besonders der Regenwald, die unterschiedliche Vegetation und die Tiere des Landes haben mich beeindruckt. Während meines Aufenthaltes konnte ich Koalas, Emus, Wombats, Känguruhs, Dingos, Wallabies aund viele mehr in freier Wildbahn sehen. Die Faszination Australiens liegt in der unglaublichen Vielfalt, der Kultur und der Größe. Fazit Ich bin sehr froh und dankbar, dass ich dieses Auslandssemester absolvieren konnte. Es hat mich sowohl in meiner persönlichen Entwicklung als auch in meiner Studienwahl gestärkt. Die Erfahrungen, die ich down under gemacht habe, möchte ich nicht missen. Ich vermisse Australien, meine neuen Freunde und das Leben dort sehr. Gleichsam erfahre ich nun, da ich wieder zu Hause bin, dass ich mich auch persönlich in den vergangenen Monaten verändert habe. Ich bin mit neuen Problemen und Herausforderungen konfrontiert worden, die ich während des Semesters zu meistern hatte. Auch die vollkommen neuen Studienbedingungen haben mich zum Umdenken bewegt. So kann ich mir derzeit nicht vorstellen, in den deutschen Hochschulalltag zurückzukehren. Gerne würde ich auch meinen Master an einer ausländischen Universität absolvieren. Mein Leben in Australien, meine neuen internationalen Freunde, die ich hoffentlich wiedersehen werde, und all die vielen Ausflüge haben mir die sicherlich schönste Zeit meines Lebens beschert. Entscheidungen bezüglich meiner Zukunft werde ich erst in den nächsten Tagen treffen, nachdem ich mich wieder in Deutschland eingewöhnt und realisiert habe, was ich in den vergangenen Monaten erlebt habe. Zeitgleich werde ich mich dann auch mit meiner Hochschule bezüglich der Anrechnung von Kursen und ähnlichem auseinander setzen müssen. Vielen Dank an alle, die mir diese Erfahrungen ermöglicht haben!
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