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Erfahrungsbericht Sydney 08

Dank des Instituts Ranke-Heinemann habe ich im
Wintersemester 2008 ein Auslandssemester im Rahmen des
Study Abroad Programms der University of Sydney in Australien
machen können. Dieser Bericht soll allen Unentschlossenen
helfen sich für Australien zu entscheiden und allen bereits
Entschlossenen die Orientierung in Sydney erleichtern.

Bewerbung und Vorbereitung

Mein Entschluss mich für ein Semester in Australien zu
bewerben fiel relativ spät im Jahr 2007. Meine Bewerbung war
Dank Ranke-Heinemann einfach und unproblematisch. Die
Endgültige Bewerbung wurde schließlich Anfang November
abgeschickt. 4-5 Wochen später kam die Bestätigung meiner
Studienplätze in Sydney, Melbourne und Brisbane. Für mich war
die Entscheidung einfach, da Sydney die größte Stadt Australiens
ist und zudem die University of Sydney mit den besten Ruf in
Australien hat und selbst in Weltweiten Rankings immer wieder
in den Top 20 vertreten ist.
Weiter ging es mit der Vorbereitung meiner Anreise und Ankunft.
Leider war ich, einen Monat vor Abreite, viel zu spät dran mit der
Buchung der Flüge. So habe ich 1.400€ für meinen Flug nach
Sydney über London mit Tankstop in Singapur gezahlt. Dies geht
sicher um einiges billiger und besser. Zu überlegen ist auch
immer der Kauf eines Round the World Tickets, das häufig kaum
teurer ist als ein normaler Flug. Ich war leider zu spät dran um
noch ein günstiges RtW Ticket zu bekommen und hätte für
meine Wunschrute ca. 2.600€ zahlen müssen. Der Flug selbst ist
lang und nervig. Ich verbrachte insgesamt knapp 30 Stunden
unterwegs, Dank langem Aufenthalt in London.
Ebenfalls sollte man schon vor seiner Abreise eine Unterkunft in
Sydney buchen, da die meisten Backpacker und günstigen Hotels
erfahrungsgemäß ziemlich überfüllt sind zur Zeit des
Semesterbeginns. Ich habe ein Bett im 6er Dorm im Billabong
Gardens Backpacker gebucht
(http://www.billabonggardens.com.au/) und mich dort auch
nach anfänglichem Kulturschock sehr wohl gefühlt. Der Standart
liegt jedoch weit unter dem deutscher Jugendherbergen.
Ebenfalls zu empfehlen ist das Wake Up Hostel, das direkt an der
Central Station liegt und auch einen höheren Standard bietet,
jedoch auch etwas teurer ist. Generell muss man zwischen 20-
30$ pro Nacht, bzw. 140-200$ pro Woche. Dafür bekommt man
ein Zimmer mit 6 Betten und ein Bad pro Zimmer.

Ankunft und Wohnungssuche

Die Ankunft in Sydney gestaltet sich relativ unproblematisch. Die
Studenten der USYD werden am Flughafen willkommen geheißen.
Der Flughafen ist relativ nah am Zentrum und mit dem Zug ist
man für 12$ innerhalb von 10-15 Minuten an der Central
Station. Taxis sind ebenfalls zur genüge vorhanden und kosten
zwischen 20-30$ ins Zentrum.
Die Ankunft ist dennoch erstmal gewöhnungsbedürftig,
zumindest wenn man Europa gewöhnt ist. Sydney ist für
deutsches Empfinden relativ dreckig. Genauso wie die Hostels.
Gerade außerhalb des Zentrums fühlt man sich anfangs schnell
unwohl. Das Gefühl verschwindet aber schnell und bald kommt
einem Deutschland einfach zu sauber vor.
Die Wohnungssituation in Sydney ist zu Beginn jedes Semesters
erwartungsgemäß angespannt. Ich hatte eigentlich 5 Tage
geplant um eine Wohnung zu finden, war letzten Endes aber
ganze 2 Wochen im Hostel. Einerseits zwar weil die
Wohnungssuche schwerer war als erwartet, sicherlich aber auch
weil man das Hostelleben bald nicht mehr missen möchte!
Im Endeffekt hat aber noch jeder sein Wunschappartment in
Sydney gefunden. Gute Stadtteile zum wohnen sind, neben dem
überteuerten Zentrum, gerade für USYD Studenten Glebe,
Darlington, Camperdown, Surry Hills und das etwas alternative
Newtown. Weniger zu empfehlen ist Redfern, das so ziemlich das
schlechteste Viertel von Sydney darstellt. Für alle
Naturverbundenen und Surfer empfiehlt sich entweder Bondi
Junction/Bondi Beach, Coogee Beach oder Manly. Von Bondi ist
die Uni innerhalb von 20 Minuten mit der Ubahn erreichbar. Von
Manly hingegen muss man die Fähre nehmen und ist so
insgesamt eine gute Stunde unterwegs. Coogee ist mit dem Bus
in ca. 30mins vom Zentrum erreichbar. Ich habe ein Zimmer in
Bondi Junction gefunden, mit dem Bus 5 Minuten zum Strand, zu
Fuss 5 Minuten zur Ubahnstation. 10 Minuten fahrt ins
Stadtzentrum, 20 Minuten zur Uni. Für mich die perfekte
Location.
Die Wohnungspreise sind ebenfalls gewöhnungsbedürftig. So
habe ich für mein ca. 12qm Zimmer 200$ pro Woche gezahlt. Je
nach Lage kann man aber auch leicht für ein 8qm Zimmer 300$
zahlen. Viele Studenten haben zudem schlechte Erfahrungen mit
Vermietern gemacht, die sich weigerten die Kaution
zurückzuzahlen. Man sollte also darauf achten ein gutes
Verhältnis zu seinem Landlord zu haben.

Leben und Uni in Sydney

Hat man sich erst eingelebt in Sydney will man so schnell auch
nicht wieder weg. Nach ca. 1 Monate läuft man auch nicht mehr
konstant in den Linksverkehr. Sydney selbst bietet so viel wie
kaum eine andere Stadt. Von Großstadtflair und Multikulti im
Zentrum bis zum Surf und Skatemekka Bondi. Wunderschön
natürlich alles rund um den riesigen natürlichen Hafen, die Oper
und die Harbour Bridge. Sehr empfehlenswert und ein Geheimtip
ist zudem eine Fahrt nach Watsons Bay, dem nördlich-
östlichstem Punkt des Südufers. Erreichbar von Bondi Junction
mit dem Bus 380 bietet Watsons Bay einen atemberaubenden
Ausblick auf das gesamte Stadtzentrum samt Harbourbridge und
natürlich den Blick auf den Ozean.
Ebenfalls sehenswert sind die Blue Mountains, ca. eine
Autostunde westlich von Sydney, und das Hunter Valley, in dem
einige der besten australischen Weine angebaut werden. Zu
beiden Destinationen werden eintägige Ausflüge angeboten,
meiner Meinung nach, ist es aber klüger und billiger sich ein
Auto für ca. 80$ zu mieten und selbst auf Erkundungstour zu
gehen.
Zu erwähnen ist außerdem das öffentliche Nahverkehrssystem in
Sydney, das diesen Namen eigentlich nicht verdient hat. Die
Züge, eine Mischung aus U-Bahn, S-Bahn und Regionalexpress
sind zu Stoßzeiten entweder völlig überfüllt, oder fallen gleich
völlig aus. In 6 Monaten in Bondi Junction fiel die Zugverbindung
zwischen Zentrum und Bondi ungefähr 5 mal komplett aus.
Allerdings stehen dann immer kostenlose Ersatzbusse zur
Verfügung. Die normalen Busse sind einerseits auch chronisch
überfüllt, andererseits extrem langsam. Auch die Preise treiben
einem die Tränen in die Augen. So kostet der wöchentliche
Travel Pass Red (für die rote Zone, dh. gesamter Osten) 35$.
Macht monatlich ca. 150$ nur für das Zugticket. Wer in Manly
wohnt zahlt sogar 45$ für den Travel Pass Green. Studenten
kriegen eigentlich eine Ermäßigung von 50%, völlig sinnfreier
Weise ist man jedoch als Study Abroad Student, im Gegensatz zu
den Exchange Students, nicht zu dieser Ermäßigung berechtigt
und zahlt den vollen Preis.
Natürlich hat Sydney auch Mengen an Clubs und Bars. Besonders
gut zum weggehen natürlich Kings Cross, gleichzeitig Rotlicht-
und Clubviertel. Hier ist eigentlich jeden Tag etwas geboten.
Auch Darling Harbour ist nicht zu verachten und bietet einige der
besten Clubs der Stadt. Stadtbekannt ist zudem die Sidebar. Im
Keller des Wake Up Hostels gelegen treffen sich hier jede Nacht
Backpacker und Reisende und die Stimmung ist
dementsprechend ausgelassen. Die Aussies sind dabei fast
ausnahmslos freundlich und offen und reden gerne und
ausgiebig mit Ausländern.
Auch für Sport und Freizeit bietet Sydney viel. Allen voran
natürlich das Surfen. Bekannt hier neben Bondi und Manly auch
Maroubra Beach, an dem die besten Bedingungen herrschen, wo
man aber auch leicht Ärger mit Einheimischen bekommt, sollte
man ihnen eine Welle klauen.
Auch die Uni bietet viele Sportmöglichkeiten, von Tennis,
Fussball, Gym, Squash und Schwimmen bis zu Basketball und
Surfkursen ist hier alles geboten, ist aber auch dementsprechend
teuer. Die Gym Mitgliedschaft kostet ca. 250$ für 3 Monate und
schließt z.B. noch keine Platzgebühren für Tennis o.ä. mit ein.
Eine Stunde Tennis kostet so je nach Tag und Uhrzeit zwischen
10 und 25$.
Die University of Sydney selbst teilt sich in zwei Campi,
Camperdown und Darlington. Erreichbar sind beide über die
Ubahnstation Redfern und einem 5-10 minütigen Fußmarsch.
Zudem gibt es den Jura Campus in der Innenstadt. Ab dem
Wintersemester 2009, wenn die Bauarbeiten am Jura Gebäude
auf dem Hauptcampus abgeschlossen sind, werden auch alle Jura
Vorlesungen von der Innenstadt nach Darlington verlegt werden.
Für mich als Jurastudent waren die Lehrmethoden an der USYD
eher ungewohnt. Im Gegensatz zu den Massenveranstaltungen
an deutschen Unis wird in Australien eher in kleinen Gruppen bis
maximal 30 Leuten unterrichtet. Es gibt oft genug
Gruppenarbeiten und Hausarbeiten, sowie Präsentationen u.ä.
Der Umgang mit den Professoren ist sehr locker. So wird nicht
nur jeder Professor geduzt und kennt alle seine Studenten
ebenfalls persönlich, sondern ist auch stets per Email und
Telefonnummer erreichbar. Allerdings herrscht in den meisten
Vorlesungen auch Anwesenheitspflicht, die je nach Professor
rigoroser oder legerer gehandhabt wird.
Als ausländischer Student stößt man zudem bei fast allen
Professoren auf großes Verständnis und kann auch mal die ein
oder andere Abgabefrist verstreichen lassen. Bei Prüfungen ist
man als ausländischer Student zudem berechtigt Lexika zu
benutzen und hat zudem auf Nachfrage mehr Zeit zur
Verfügung.

Sonstiges

Die Lebenshaltungskosten in Sydney sind generell etwas höher
anzusiedeln als in Deutschland. Für ein normales Mittagessen
sollte man ca. 10$ rechnen, der Big Mac kostet um die 5$.
(Burger King heißt in Australien übrigens Hungry Jacks)
Insgesamt ist es gut möglich mit ca. 1400$ im Monat
auszukommen. Der Kurs des australischen Dollars schwankt
relativ viel. Zur Zeit (Okt. 08) ist ein Euro ca. 2 AUD wert,
während meiner Zeit in Australien bekam man noch maximal
1,6$ für 1€.

Bleibt noch zu sagen, dass ich jedem den Aufenthalt in
Australien empfehlen kann. Besonders Sydney ist meiner
Meinung nach die schönste australische Stadt und verbindet
perfekt das Flair einer internationalen Metropole mit relaxter
australischer Mentalität und perfektem Freizeitangebot. Hat man
sich erst an den australischen Lifestyle gewohnt, ist es extrem
schwer sich wieder an die Hektik und Pingelichkeit in
Deutschland zu gewöhnen. Ingesamt war das halbe Jahr in
Australien wohl eine der bisher interessantesten Erfahrungen
meines Lebens und hat mich in vielerlei Hinsicht positiv
beeinflusst, ganz abgesehen von den vielen Bekanntschaften aus
aller Welt die man hier macht.
Für Fragen bin ich jederzeit unter meiner Emailadresse
erreichbar.

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