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1. Einleitung
Die Idee, ein Auslandssemester in Australien zu absolvieren, kam eher spontan. Zu Beginn meines Studiums in Deutschland hatte ich kein Interesse an einem Auslandssemester. Als sich das Studium dann langsam, aber sicher dem Ende zu neigen schien, viele Kommilitonen nur mit guten Erfahrungen aus dem Ausland zurückkamen, packte mich doch der Reiz, das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden. Denn die Chance bietet sich nicht so häufig, einfach mal für ein halbes Jahr ins Ausland zu gehen. Nun musste es schnell gehen… Andere planen Jahre lang und ich hatte nicht einmal ein Jahr für die Planung. Ich bewarb mich über das Institut Ranke-Heinemann (RH) für ein Auslandssemester an australischen Universitäten. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön! Dank der Hilfe der freundlichen Mitarbeiter des Instituts RH konnte ich mich ohne großen Aufwand bzgl. Übersetzung etc. an drei australischen Universitäten bewerben. Weitere nützliche und hilfreiche Informationen findet man auf der Homepage: www.ranke-heinemann.de Die Beantragung des Auslandsbafög hingegen nahm wohl die meiste Zeit in Anspruch und kostete mich einige Nerven. Tipp: Den Antrag so früh wie möglich stellen! Letzten Endes hat sich auch dieser Aufwand gelohnt. Auslandsbafög habe ich nicht bekommen. Aber die Studiengebühren, die erheblich höher als in Deutschland sind, wurden mir erstattet. Außerdem wurde ein Teil meiner Flugkosten übernommen. Den DAAD-Englischtest konnte ich bei meinem Englischdozenten an meiner Fachhochschule machen. Nachdem ich die Bescheinigung des Englischtests bei dem Institut RH einreichte, folgte die Zusage der University of Western Sydney (UWS) für ein „Study-Abroad-Semester“. Somit sollte Sydney die Stadt in Australien sein, in der ich das nächste halbe Jahr verbringen würde. 2. Leben und Wohnen Nach einem sehr langen Flug und vom Jetlag gezeichnet, machte ich mich erstmal auf die Suche nach dem Hostel, in dem ich die ersten Nächte verbringen wollte. Das Wake Up! Hostel befindet sich mitten in Sydney und ich kann es wärmstens empfehlen. Hier knüpfte ich erste Bekanntschaften und lernte dort auch meine zukünftige Mitbewohnerin kennen. Dank des Internet und eines Studentennetzwerkes habe ich schon von Deutschland aus ein Zimmer gefunden, das mir zusagte. Es war ein WG-Zimmer in Parramatta, einem Vorort von Sydney, wo sich auch der Campus der UWS befindet, an dem meine Kurse stattfinden sollten. Parramatta liegt ca. 25 km westlich von Sydney. Mit dem Zug, Bus oder der Fähre sind die 25 km regelmäßig und bequem zurückzulegen. Der Zug ist mit ca. 25 Min. Fahrzeit das schnellste Verkehrsmittel, um in die Stadt zu gelangen. Er fährt ca. alle 15 Minuten. Die Fähre entlang des Parramatta-River ist wohl die schönste Art nach Sydney zu kommen, es dauert allerdings auch eine gute Stunde. Der Bus ist eigentlich nur in der Nacht zu empfehlen, da am Tag sehr viel Verkehr ist und es dementsprechend länger dauert. Doch zum Einkaufen und Shoppen muss man nicht unbedingt nach Sydney fahren, denn Parramatta bietet eines der größten Einkaufszentren Australiens. Das „Westfield“! Über fünf Etagen wird einem hier alles geboten, was das Herz begehrt. Bekleidungs-, Bücher- und Lebensmittelläden, Drogerien und „Food Courts“ sind nur ein Teil des zahlreichen Angebotes. Sollte einem dies nicht ausreichen, gibt es in Parramatta auch einen ALDI. ;o) Ich wohnte in Parramatta in einer 4er WG und teilte mir ein Zimmer mit der Freundin, die ich zuvor im Hostel kennen gelernt hatte. Zunächst wollte ich alleine in das Zimmer einziehen, aber da wir uns gut verstanden, beschlossen wir, probehalber zu zweit das 9 qm Zimmer zu beziehen. Schnell stellten wir fest, dass es sich in dem Zimmer auch zu zweit wohnen lässt, und beschlossen, es dabei zu belassen. Die Entscheidung wurde nicht zuletzt auch durch den Kostenfaktor bestärkt. Denn selbst außerhalb Sydneys sind die Mieten nicht viel geringer und im Vergleich zu Deutschland doch etwas höher. Im Durchschnitt kann man mit ca. 150 bis 180 A$ pro Woche für ein Einzelzimmer rechnen. An dieser Stelle sei gesagt, dass ein Australischer Dollar zum Zeitpunkt meines Aufenthaltes umgerechnet ca. 0,60 Euro-Cent waren. Der Wohnungsmarkt in Sydney ist sehr dynamisch. Wenn man nicht vorher schon Kontakte bzgl. einer Unterkunft knüpfen konnte, gibt es Alternativen wie z. B. www.gumtree.com.au oder das Schwarze-Brett an der Uni. Auch beim Warten an der Fußgängerampel kann man über Wohnungs- bzw. Zimmerangebote stolpern, denn diese sind an vielen Ampeln mit kurzer Beschreibung und Kontaktdaten zu finden. Meist bestehen die Kontaktdaten aus Mobilfunknummern. Um z. B. diese anzurufen, kann ich empfehlen, ein Mobiltelefon aus Deutschland mitzubringen, denn es gibt viele Anbieter für Prepaidkarten. Diese bekommt man problemlos an jeder Ecke. Ich persönlich entschied mich für Vodafone. Die Simkarte kostet 2 A$, diese kann man dann beispielsweise mit 29 A$ aufladen und erhält ein Guthaben von 130 A$. Durch diese Großzügigkeit (101 A$ gratis) wird das Schreiben von SMS sehr günstig und man bezahlt ca. 0,25 A$ pro SMS sowohl innerhalb Australiens, als auch ins Ausland. Das Telefonieren mit dem Mobiltelefon hingegen ist etwas teurer. Für Festnetzgespräche z. B. nach Deutschland, gibt es aber eine Alternative. Hierfür gibt es Telefonkarten, die man mit einem Festnetztelefon abtelefonieren kann. Diese kosten i. d. R. ca. 10 A$ und nach meinen Erfahrungen kann man dafür ca. 8 Stunden nach Deutschland telefonieren. Also eine günstigere Variante, den Daheimgebliebenen über die neusten Erfahrungen zu berichten. Genau so unkompliziert war für mich der Zugang zum World Wide Web. Gibt es noch keinen Internetanschluss in der WG und/oder die Möglichkeiten der Uni ins Internet zu gehen, reichen einem nicht aus, kann ich den Anbieter www.unwired.com.au empfehlen. Hierzu habe ich mir einen Router/Modem für 50 A$ gekauft und anschließend im Internet festgelegt, welche Datenmenge ich im Monat zum Up- und Download verbrauche und demnach in meinem Fall 50 A$ pro Monat bezahlt. Es wurde kein Vertrag abgeschlossen, somit konnte ich den Anschluss nach meinem Aufenthalt problemlos „kündigen“. Nachdem nun die Frage des Wohnens und der Kontaktaufnahmemöglichkeiten geklärt waren, konnte ich mich auf das Studium konzentrieren. 3. Uni und Studium Die University of Western Sydney hat sechs Standorte. Die Campi verteilen sich im Westen Sydneys und befinden sich in Bankstown, Blacktown, Campbelltown, Hawkesbury, Parramatta und Penrith . Meine Kurse fanden alle glücklicherweise am Parramatta-Campus statt, denn die Entfernungen zwischen den einzelnen Campi sind beachtlich. Der Parramatta-Campus zeichnet sich durch eine sehr gute Bahn- und Busverbindung aus. Die Universität hat mich positiv überrascht. Zunächst gab es eine Einführungsveranstaltung bzw. die „Orientation-Week“. Das sind zwei Tage, an denen man alle nötigen Informationen bekommt. Angefangen von der „Student Card“, über den Internetzugang bis hin zur Bibliotheksführung und jede Menge Infomaterial. Es ist alles sehr gut organisiert und die Mitarbeiter der Universität sind jederzeit hilfsbereit. In der Regel belegt man an australischen Universitäten 3 bis 4 Kurse. Zum einen, weil das Studieren hier sehr viel teurer als in Deutschland ist (an der UWS zahlt man pro belegten Kurs ca. 2.500 A$). Zum anderen beschränkt man sich auf diese Kursanzahl, weil das Studieren mit wesentlich mehr Aufwand verbunden ist. Ich entschied mich schon bei der Bewerbung für drei Kurse aus den Bereichen „Accounting“ und „Supply Chain Management“. Bei den „Accounting-Kursen" handelte es sich um „Undergraduate-Kurse“, d. h. die Kurse werden von Studierenden ohne Studienabschluss besucht. „Supply Chain Management“ war ein „Upgraduate-Kurs“, wurde also von Master-Studenten besucht, die zuvor das Diplom bzw. den Bachelor gemacht haben. Dementsprechend war das Niveau in diesem Kurs höher, jedoch machbar. Prinzipiell unterscheiden sich die Vorlesungen und Anforderungen zu denen in Deutschland. Der Aufbau der Vorlesungen unterscheidet sich dahin gehend, dass es neben den Vorlesungen auch Tutorien gibt. In der Regel dauern die „Lectures“ (Vorlesungen) eine Stunde und die so genannten „Tutorials“ zwei Stunden. Die „Lectures“ können von allen Studierenden besucht werden und sind freiwillig. In den „Tutorials“, die aus kleinen Gruppen mit ca. 20 Studierenden bestehen, werden Gruppenaufgaben gelöst und Hausaufgaben besprochen sowie kontrolliert. Im Gegensatz zu den Lectures herrscht hier eine Anwesenheitspflicht, die sich auch auf die Endnote auswirkt. In einem anderen Kurs gab es zusätzlich noch ein „Practical“, welches in den Computerräumen an den PC´s durchgeführt wurde, da wir dort mit Datenbanken gearbeitet haben. Auch hier zählte die Anwesenheitspflicht und die Pflicht seine Hausaufgaben wöchentlich vorzuzeigen. Weiterhin wurden 14-tätige Online-Tests durchgeführt, die auch von Zuhause aus erledigt werden konnten, sowie mehrere Gruppen- und Hausarbeiten. Auch wurden schon mitten im Semester Klausuren geschrieben, das „Mid-Term-Exam“. Somit besteht die Note für einen Kurs nicht nur aus der Note des „Final-Exams“ am Ende des Semesters, sie setzt sich vielmehr aus allen Hausarbeiten, Gruppenarbeiten, Tests, Präsentationen, Anwesenheit, „Mid-Term“- sowie „Final-Exam“ zusammen. Allgemein kann ich sagen, dass die Ansprüche an Sprachkenntnis und wissenschaftliches Arbeiten gut zu erfüllen sind, allerdings der „Workload“ um einiges umfangreicher ist. Dieser erhöhte Aufwand war zunächst etwas gewöhnungsbedürftig, aber es wird aufgrund dieses kontinuierlichen Arbeitens ein besseres Lernergebnis erzielt. Auffallend war, dass dort alles über das Internet bzw. über das „Blackboard“, zu dem jeder seinen Zugang bekam, abläuft. Auf eine lästige Zettelwirtschaft wird hier weitestgehend verzichtet. Alle Unterlagen, die für die „Lecture“, „Tutorials“, „Practicals“ etc. benötigt werden, kann man online abfragen und bei Bedarf ausdrucken. Für jeden Kurs gibt es ein „Unit-Outline“. Daraus sind alle wichtigen Informationen zur Veranstaltung zu entnehmen. Es ist genau festgelegt, wann welches Thema behandelt, wann welche Tests (z.B. Onlinetests) zu erledigen und wann welche Hausaufgaben/Hausarbeiten vorzulegen bzw. abzugeben sind. Auffällig war der große Anteil internationaler Studierender. Viele Asiaten, Inder und Pakistani prägten das Bild. Es war ab und an eine nervenaufreibende, aber letztendlich doch positive Erfahrung in einer internationalen Gruppe zu arbeiten. Hierbei tritt z. B. deutsche Pünktlichkeit recht schnell in den Hintergrund. Nichtsdestotrotz haben die Gruppenarbeiten für mich immer ein zufrieden stellendes Ergebnis erreicht. 4. Sydney Sydney ist wohl eine der schönsten Metropolen der Welt und die größte, älteste und berühmteste Australiens. Sydney ist eine sehr lebendige Stadt, bietet aber auch viele Plätze zur Erholung, wie z.B. Strände und Parks im Stadtgebiet. Der Hafen mit der Harbour Bridge und dem Opera House, sowie Hightech-Architektur und Konturen vergangener Baukunst bilden ein traumhaftes Panorama. Daneben gibt es Museen und Galerien, viele Restaurants, Bars und Cafés, sowie Märkte und Boutiquen, die Sydney zum kulturellen und wirtschaftlichen Zentrum Australiens machen. Eine Vielzahl unterschiedlicher Nationalitäten verleiht Sydney eine multikulturelle Atmosphäre. Sydney ist eine großartige Stadt und für mich die schönste Australiens. 5. Reisen Zum Reisen blieb viel zu wenig Zeit. Ich habe den Semesterbreak, sowie die Zeit vor und nach den Klausuren zum Reisen genutzt. Zuerst bin ich die Ostküste Richtung Norden bis nach Cairns gefahren und nach den Klausuren ging es auf eine Camping-Safari von Sydney ins Outback bis zum Mittelpunkt Australiens: Alice Springs. Dabei habe ich mich auf verschiedene Arten fortbewegt. Sehr zu empfehlen sind die günstigen Inlandsflüge. Durch das Fliegen kann man in diesem weitläufigen Land weite Strecken in kurzer Zeit zurücklegen. Airlines für günstige Inlandsflüge sind z. B.: www.virginblue.com.au, www.qantas.com.au. Hat man etwas mehr Zeit, möchte man flexibel sein, und etwas mehr von diesem atemberaubenden Land sehen, kann man auch einen Camper mieten und das Land auf eigene Faust erkunden. Campingplätze sind fast überall zu finden. Hier kann man seine Kleidung waschen und ggf. in den meist sauberen Küchen kochen. Möchte man in einer Gruppe reisen und dabei neue Leute kennenlernen, sollte man in eines der zahlreichen Reisebüros gehen und sich dort erkundigen. Ich persönlich habe sehr gute Erfahrungen mit dem Anbieter www.contiki.com gemacht. Hierbei reist man mit einem großen, klimatisierten Reisebus durch das Land und der „Tourguide“ zeigt einem die schönsten Plätze der jeweiligen Tour. Rückblickend kann ich sagen, dass das Reisen meine schönste Zeit in Australien war. Australien hat soviel an Landschaft zu bieten. Von Strand und Meer über den Regenwald, die Snowy Mountains bis hin ins schöne Outback. Leider blieb am Ende nicht mehr die Zeit den Norden und Westen dieses wundervollen Kontinents zu sehen. Dies ist Grund genug, noch einmal nach Australien zu fliegen. Also für alle, die es noch vor sich haben, plant genug Zeit und Geld zum Reisen ein. Es lohnt sich! 6. Fazit Das Auslandssemester an der „UWS“ und die Zeit in Australien waren für mich die bislang schönsten Erfahrungen meines Lebens. Zunächst war es ein Sprung ins Ungewisse, aber schnell fing ich an, mich wohl zu fühlen, was nicht zuletzt an der unbefangenen, lockeren Art der Australier lag. Die Leute sind sehr freundlich, hilfsbereit und aufgeschlossen und der zu Beginn befürchtete Kulturschock blieb glücklicherweise aus. Ich habe viele nette Menschen kennen gelernt und Freunde gefunden. Die vielen kulturellen Eindrücke und wertvollen Erfahrungen verhalfen mir zur Erweiterung des eigenen Horizonts, sowohl in privater als auch in beruflicher Hinsicht. Mit dem Studieren, Leben und Reisen in Australien konnte ich mir einen Traum erfüllen und kann es nur jedem empfehlen, diesen Schritt zu tun. Ihr werdet es nicht bereuen. Alles in allem hatte ich eine super Zeit und der Abschied fiel sehr schwer. Aber eins steht fest: früher oder später werde ich noch einmal auf diesen einzigartigen Kontinent zurückkehren.
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